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Ali Güngörmüs – vom ostanatolischen Hochland ins Herz von München

Seine Kindheit erlebte Ali Güngörmüs in seinen ersten zehn Jahren auf einem kleinen Bauernhof in der Türkei in Ostanatolien. Geboren wurde er am 15. Oktober 1976 in Tunceli. Im ländlichen Bereich war in der Türkei die typische Lebensform die Großfamilie. So wuchs er auch inmitten seiner großen Familie auf dem Bauernhof mit Obstplantage und Viehzucht auf. Zu dieser Zeit war sein Vater bereits als Schweißer in München tätig. Gemeinsam mit der Mutter und seinen sechs Geschwistern zog Ali Güngörmüs 1986 nach München zum Vater.

Türkische Küche

Türkische Küche ©iStockphoto/Stock Dealer

Schulzeit in Deutschland

Ohne dass ihn die Eltern beim Lernen unterstützen konnten, musste sich Ali durch die Schulzeit kämpfen. Seine Mutter war von dem Leben in Anatolien geprägt und war bei der Ankunft in Deutschland noch Analphabetin. Erst im Alter von Mitte 60 lernte sie lesen und schreiben. Dadurch war Ali in der Schule und bei schulischen Hausaufgaben auf sich alleine gestellt. Er musste sich mit viel Willensanstrengung und Ehrgeiz auch gegen seine Lehrerin durchsetzen, die ihn zur Sonderschule schicken wollte. Dann war aber schließlich der Hauptschulabschluss geschafft.

Ausbildungszeit

Dass er einmal Koch sein würde, war ihn nicht in die Wiege gelegt. Da musste der Zufall erst mitspielen. Die Familie war in Deutschland finanziell nicht auf Rosen gebettet. Jedes Kind musste zum Familienunterhalt beitragen. Ali begann, sich an mehreren Stellen zu bewerben. Eine Zusage erhielt er schließlich von einem schlichten Wirtshaus. Weil das die erste Zusage war, hat er dort seine Lehre begonnen. Aus der Tradition heraus war seine Familie nicht damit einverstanden, dass er als Mann an einem Herd stehen sollte und wollte. Doch er hatte schon früh gelernt zu kämpfen und das kam ihm auch jetzt zugute. Er setzte sich gegen die Familie durch und begann seine Ausbildung als Koch.

Ali Güngörmüs privat

Als Familienmensch heiratete er seine Frau Stefanie Schöner. Inzwischen ist die Familie gewachsen. Zwei Kinder kamen dazu und ein Mops namens Dietmar. Der Zusammenhalt der Familie wird von Ali Güngörmüs nach Kräften gepflegt. Das zeigt sich auch darin, dass sich alle sonntags bei der „Mama“ treffen und Mama kocht dann für alle. Wenn noch Raum neben allen Verpflichtungen bleibt, liebt er es, selber Fußball zu spielen.
München ist zu seiner Heimat geworden. In München ist er aufgewachsen und hat dort bisher die meiste Zeit seines Lebens verbracht. Seine Familie und seine Kinder haben hier ihren Lebensmittelpunkt. Doch seine türkischen Wurzeln verleugnet er nicht und bleibt seinem Geburtsort verbunden. Den Beweis dafür hat er mit seinem Restaurant in München angetreten. Er hat es nach seinem türkischen Dorf „Pageou“ benannt.

Ali Güngörmüs und seine Karriere

Der Eintritt in das Berufsleben begann mit einer Zufälligkeit und genauso verhalf ihm der Zufall zu der Bekanntschaft mit Karl Ederer. Am Herd seines Ausbildungsbetriebes merkte er sehr schnell, dass Kochen zu seiner Leidenschaft geworden ist. Sein Ehrgeiz, den er schon in der Schule entwickelt hatte, ließ ihn seine Ausbildung mit Bestnoten abschließen. Das Kennenlernen von Karl Ederer zahlte sich für Ali Güngörmüs positiv aus. Er bekam im Restaurant „Glockenbach“ von dem Sternekoch die Möglichkeit, sich als Jungkoch zu beweisen. Mitten in München war das Alis erste Herausforderung. Sein Chef hatte längst das Talent des jungen und ehrgeizigen Kochs entdeckt.

Ederer wurde sein begeisterter Förderer. Durch seine Empfehlung und Vermittlung an Eckart Witzigmann bekam er bei dem eine Anstellung im renommierten Zwei-Sterne-Restaurant „Tantris“ in München-Schwabing.

Ali Güngörmüs Weg führte ihn dann weiter nach Wertheim und in das Zwei-Sterne-Restaurant „Schweizer Stuben“. 2004 erhielt er dort seine erste Auszeichnung vom „Gault Millaut“ als die „Entdeckung des Jahres“. Aus dem Restaurant „Schweizer Stuben“ sind nach ihm noch weitere prominente Köche hervorgegangen. Man kann sagen, dass dieses Restaurant unter anderem für Johann Lafer, Alexander Herrmann und Frank Oehler das Sprungbrett zu ihren Erfolgen wurde.

Die eigenen Restaurants

2005 war es so weit. Ali Güngörmüs eröffnete sein erstes Restaurant. Das „Le Canard Nouveau“ an der Elbchaussee in Hamburg-Othmarschen. In dem Gourmet-Restaurant konnte er seine Philosophie, eine Reduktion auf das Wesentliche verwirklichen. Seiner Abstammung treu verbunden, waren auf der Speisekarte mit Vorliebe mediterrane und orientalische Kreationen zu finden. Bereits nach einem Jahr, im November 2006, hatte er es geschafft und erhielt seinen „Michelin-Stern“. Zu dieser Zeit war er der einzige Sternekoch mit türkischer Abstammung. Bei dieser Auszeichnung sollte es aber nicht bleiben. Es folgten sechzehn Punkte im „Gault Millaut“, drei Schneebesen im „Elle Bistro“ und vier Flaschen im „Metternich-Führer“.

München ließ ihn aber auf Dauer nicht los. 2014 eröffnete er sein Restaurant „Pageou“ in den „Fünf Höfen“ in München. In einem Interview erklärte er seinen Leitgedanken, aus einfachen, guten Produkten das Beste zu machen: „Ich will, dass meine Gäste die Gerichte verstehen“. Sein Leitfaden über alledem ist sein Nachname. Die wörtliche Übersetzung von Güngörmüs ist: „Schau in die Sonne, schau in den Tag“. Das bedeutet für ihn und sein Team, dass sich der besondere Geschmack und Charakter der verwendeten Grundprodukte in allen Kreationen wiederfinden muss. Glaubwürdigkeit steht bei ihm an vorderster Stelle. Das bedeutet aber auch, dass hochwertige Produkte verwendet werden. Billigprodukte haben bei ihm keine Chance.

Ali Güngörmüs, der Unermüdliche

2008 fasste er seine Ideen und Tipps rund um Küche und Herd in zwei Kochbüchern zusammen. Als 2010 in TV-Dokumentationen Küchenchefs an ihren Arbeitsplätzen porträtiert wurden, war er zweimal mit dabei. Unter dem Titel „Jenseits von Herd und Hummer. Sterneköche privat“ erlaubte er einen Blick hinter die Kulissen. Im selben Jahr ging es mit der Reportage „In fremden Töpfen. Ein Sternekoch reist durch Deutschland.“ durch bayerische Dörfer und bodenständige Gasthäuser auf die Suche nach originellen Rezepten. Weitere Fernsehauftritte machten ihn deutschlandweit bekannt und beliebt. Bei „tipps + trends“, der „ZDF Küchenschlacht“, bei „Lanz kocht“ und „TV total“ hatte er seine Auftritte. Als Juror war er neben Frank Rosin in der Kochshow „Topfgeldjäger“ zu sehen.
Seine Qualitäten als lockerer, lustiger Entertainer neben dem Image als Fernsehkoch wurden vom Publikum in „Grill den Henssler“ und beim Nachfolger „Grill den Profi“ auf VOX begeistert aufgenommen. Als versierter Koch hat er sich seine charmante, emotionale und doch jederzeit professionelle Art bewahrt.

Der Ruf, dass er gute Fähigkeiten besitzt, andere zu führen, zu begeistern und zu coachen, brachten ihn auch mit der Filmwelt in Berührung. Für den Film „Soul Kitchen“ stellte er für eine Szene sein Restaurant „Le Canard Nouveau“ zur Verfügung. Er coachte dabei auch den Schauspieler Birol Ünel in seiner Rolle als verschrobener Koch in der Komödie.

Ali Güngörmüs hat es geschafft, sich als Sohn eines Gastarbeiters nach oben zu kämpfen. Dabei hat er nie seine Herkunft vergessen und sich seine sympathische Bodenständigkeit bewahrt.

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